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QR Code Alternativen – Ein bisschen MVS gefällig?

Schon einmal über die Zukunft oder Alternativen zum QR-Code nachgedacht? Neulich bin ich über einen interessanten Artikel von Joe Barocas gestolpert, der sich genau damit auseinander gesetzt hat. Also beschäftigen wir uns jetzt mit den Fragen, wie erfolgreich sind QR-Codes? Was sind Hürden beim Einsatz von QR-Codes? Welche Zukunft und Alternativen gibt es für QR-Codes?

Überall sieht man sie zur Zeit, die kleinen lustigen viereckigen kryptischen Zeichen. Auf Plakaten, auf Prospekten und Broschüren und auch auf vielen Produkten. QR-Codes! QR-Codes sind hip! QR-Codes sind angesagt bei Marketingleuten in Unternehmen und Agenturen. An der richtigen Stelle haben QR-Codes durchaus einen Nutzen. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass QR-Codes eben auch viele Unwägbarkeiten haben. Im Beratungsgespräch stelle ich immer wieder fest, dass längst nicht jeder Mensch verstanden hat, was es mit diesen kleine kryptischen Zeichen eigentlich auf sich hat.

“Ach dafür sind die da! Ich dachte, dass sei eine neue Form des Barcode.”
Ein Geschäftsführer, nachdem ihm die Funktionsweise eines QR-Codes vorgeführt wurde 

Joe Barocas (Gründer und Geschäftsführer von bieMedia in Denver, Colorad) beschreibt in seinem Artikel, wie er vom QR-Code-Fan zum QR-Code Skeptiker wurde.Viele seiner Kritikpunkte decken sich mit den Meinigen. Wie sinnvoll sind QR-Codes, wenn ein Großteil der Menschen überhaupt nichts damit anzufangen weiß? Nun könnte man die These aufstellen, dies sei ein altersbedingtes Phänomen. Junge Menschen, welche mit Internet und Smartphone aufgewachsen sind, würden aufgeschlossen und mit mehr Vorwissen an die Thematik herangehen. Comscore hat im vergangen Jahr diesbezüglich eine Studie für den US-Markt erhoben. Häufigster Nutzer von QR-Codes ist demnach die Altersgruppe 25-34 (36,8%). Männer nutzen QR-Codes deutlich häufiger als Frauen (Männer = 60,5%, Frauen 39,5%). Die ernüchternde Tatsache ist, dass bisher nur 14 Millionen US-Bürger mit einem QR-Code interagiert haben. Dies bedeutet, weniger als 5% der Amerikaner haben bereits einen QR-Code Scanner verwendet. (Quelle: Comescore Juni 2011)

Sind QR-Codes also überhaupt nützlich?

QR-Codes haben sicherlich eine Daseinsberechtigung. Sie bieten einem Unternehmen / Organisation die Möglichkeit Informationen miteinander zu verbinden, bzw. ausführlichere Informationen kontext- und medienübergreifend zu vermitteln. Auf einem Produkten platziert, kann ein QR-Code ausführliche Informationen zur Herkunft des Produktes liefern, oder Anwendungstips geben. Auf Broschüren und Flyer kann hinter dem QR-Code ein aktivierendes und ansprechendes Video verborgen sein. Kann verborgen sein! Hier liegt allerdings auch das größte Problem. QR-Codes sind oftmals eine Wundertüte. Erst beim Scannen des Codes sieht der User, was sich hinter diesem verbirgt. Erst nach dem Scannen erfährt er ob das Scannen einen nutzerrelevanten Mehrwert hatte. Scannt ein Nutzer einige male einen QR-Code und bekommt nur triviale Informationen ohne Mehrwert, wird er in Zukunft wohl eher keine QR-Codes mehr scannen.

Oft wird angeführt, dass mit dem QR-Code eine gewisse Neugier entfacht werden kann. Eben dann, wenn der Nutzer nicht weiß, was sich hinter dem QR-Code verbirgt. Dieses Argument halte ich nicht für stichhaltig. Wie oben beschrieben, wird ein Nutzer nach mehrmaligem Scannen ohne Mehrwert, das zukünftige QR-Code-Scannen sein lassen. Außerdem wird ein anderer Aspekt hierbei gerne vernachlässigt, der aber nun viel stärker in das Bewusstsein der Menschen drängt: Sicherheit!

Sind QR-Codes sicher? Datenschutz, Viren und Schädlinge

Hinter einem QR-Code kann sich alles mögliche verbergen. Eine Website, ein Bild, ein Video oder der Verweis zu einer App. In letzter Zeit häufen sich die Meldungen von “versuchten” CR-Codes. Kriminelle haben es einfach hinter einem QR-Code schadhafte Skripte oder andere betrügerische Inhalte zu verbergen. Hierbei können auch bekannte Marken und Produkte als “Träger” missbraucht werden. Nichts ist leichter, als einige Produkte mit einem QR-Code-Aufkleber zu versehen und schon sorgt eine bekannte Marke für das nötige Vertrauen des arglosen Users. Werden sich solche Meldungen weiter häufen, dann wird das allgemeine Vertrauen der User in QR-Codes weiter schwinden. Außerdem muss davon ausgegangen werden, dass die Tricks und die Raffinesse der Kriminellen weiter zunehmen wird. Je stärker das Smartphone den Computer verdrängt, desto größer wird die Gruppe jener, welche man potentiell schädigen könnte.

Alternativen zum QR-Code? Was bringt die Zukunft?

Der Mensch ist ein visuelles Lebewesen. Unsere gesamte Sozialisierung und biologische Veranlagung ist darauf ausgelegt optische Reize zu verarbeiten und zu kategorisieren. Hierin ist der homo sapiens spitze. Wir eignen uns weniger zur Verarbeitung von komplexen und kryptischen Zeichen. Bei Maschinen verhält es sich genau umgekehrt. Computer (auch das moderne Smartphone ist nichts anderes) lieben Zahlecodes, Barcodes oder “einfache” und schematische Muster, welche sie einfach erfassen und verarbeiten können. Was ist also die Zukunft? Das der Mensch die Sprache der Computer lernt oder umgekehrt? Definitiv umgekehrt! Mit steigernder Rechenleistung werden Computer lernen mit dem Menschen auf “natürliche” Weise zu interagieren. Durch die Integration der Sprachsteuerung “Siri” ist Apple hier schon mal einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Die Alternative zu QR-Codes heißt “mobile visual search” (MVS).

Hinter der mobile visual search (MVS) verbirgt sich eine neue Form der Interaktion mittels mobiler Endgeräte. Der User muss nicht mehr einen QR-Code scannen, sondern richtet sein Smartphone einfach auf ein Objekt seines Interesses. Die MVS-Anwendung liefert ihm nun binnen weniger Sekunden passende Informationen, Videos oder Links. Das Objekt kann hierbei ein Markenlogo sein, eine Produktverpackung, oder andere Objekte, wie Gebäude. Auch das Scannen eines Lebewesens wäre denkbar und würde den Zoobesuch interaktiv machen. Bisher hat sich nämlich noch niemand gefunden, der einem Tiger freiwillig einen QR-Code anklebt.

MVS als QR-Code-Alternative ist vielfältig einsetzbar und lässt den User auf eine natürlichere Weise mit einem Objekt interagieren. Spannend wird MVS dann, wenn entsprechende Applikationen und Systeme direkt in das Smartphone integriert sind und nicht erst mittels einer zusätzlichen App implementiert werden müssen. Bei Siri hat es ja ähnlich begonnen. App > Von Apple aufgekauft > integriert. Für Marketing- und Werbeleute ist MVS auch ein spanendes Thema. Wenn die Systeme im Hintergrund intelligent genug sind, kann dieses System mehrere Motive dem gleichen “Zweck” / “Grund” zuordnen. Bei einer Werbekampagne wäre denkbar, dass man über die Analyse von MVS-Daten herausfinden könnte, welches Motiv die Menschen am stärksten angesprochen und zur Interaktion aktiviert hat.

Ein weitere positiver Vorteil von MVS als QR-Code Alternative ist, dass Manipulation bei MVS deutlich schwerer fällt als bei einem einfachen QR-Code. Anstatt über einen abstrakten Codes, interagiert der Nutzer mit Objekten der realen Welt. Das folgende Video zeigt einige möglichen Anwendungsfelder von MVS und wie Google diese in Google Goggles umgesetzt hat.

Sind QR Codes gänzlich schlecht oder out?

QR-Codes sind weder schlecht noch out, sie müssen nur bewusster eingesetzt werden. Noch limitieren die technischen Möglichkeiten und die Rechenpower der Smartphones MVS. Möchte ein Unternehmen QR-Codes als Interaktionsbrücke nutzen, sollte es einige Grundregeln beachten:

  1. Fügen Sie unbedingt hinzu, was der QR-Code nach dem Scannen tut, also was den User erwartet.
  2. Niemals einen QR-Code ohne Kontext verwenden.
  3. Versichern Sie dem User, dass die zu erwartenden Inhalte auf schädliche Software / Viren überprüft wurde.
  4. Gehen Sie sparsam mit QR-Codes um und hinterfragen Sie den Einsatzgrund.
  5. Hinter QR-Codes sollten sich tatsächlich Informationen mit Mehrwert verbergen.

Wir werden die technische Entwicklung im Bereich der mobiel visual search mit Spannung weiterverfolgen. Hier im Blog werden wir Sie über die Neuerungen auf dem Laufenden halten.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Maik Hettich

 

There are 3 comments .

Brit Wein

Vielen Dank für den informativen Beitrag. Denke und stimme zu, dass es eine alternative zu den QR Codes geben sollte. Mir erscheinen natürliche Dinge, die von einer Software erkannt werden, das logische Ziel der Technik zu sein. Denke, dass der Snaptag in dieselbe Richtung geht. Finde aber so gut wie keine Informationen zum Snaptag. Werde MVS mal näher nachgehen…

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Dennis

Hi, danke auch für den netten Beitrag. Sehr informativ und verständlich geschrieben.
Magst mir vielleicht noch den Stand der Technik bzgl. MVS mitteilen? Gibt es da konkret schon erste Ansätze, Umsetzungen bzw. wie lange lassen diese auf sich warten?
LG
Dennis

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Karsten

Wùrde mich auch sehr interessieren, wie es mit MVS derzejt ausschaut. Darüber hinaus scheint mit Touchoint eine interessante Entwicklung zu sein?

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