Instant und Mobile Payment – wird Deutschland abgehängt?

Neue Smartphones kommen alle paar Monate auf den Markt. Aber es gibt noch Dinge in unserer mobilen Welt und gerade hierzulande, die sich kaum ändern. Die Art, wie wir bezahlen zum Beispiel. Dabei muss das nicht so sein! Nicht nur bargeld-, sondern auch kontaktlos sieht die Zukunft in diesem Bereich aus. Wie unser Geschäftsführer Christoph im Beitrag zu den Mobilen Trends 2017  schon angesprochen hat, wird Mobile der Kanal der Wahl sein. Mobile und Instant Payment lauten die Schlagworte, die das Potential haben unsere Zahlungsgewohnheiten komplett über den Haufen zu werfen.

Was ist neu am Mobile Payment?

Natürlich gibt es schon Apps, mit denen man Überweisungen tätigen kann. So gut wie alle Banken bieten inzwischen eine eigene mobile Lösung an, die das Online Banking auf dem Smartphone ermöglicht. Aber ist das schon alles, was wir vom Bezahlen per Smartphone erwarten können?

Fragt man die Nutzer der gängigen Apps, ist die Meinung klar:

Für einen Überblick über das Konto sind die Apps hilfreich. Möchte man allerdings weitergehen und auch über die App bezahlen, fällt das Feedback nicht mehr so positiv aus. Ihr Konzept nutzt lediglich das Standardverfahren zum Tätigen von Überweisungen in einer mobilen Verpackung. Mobil gedacht wurde das Verfahren allerdings nicht. So kommt es, dass der ganze Bezahlvorgang inklusive dem Eintippen der bis zu 34-stelligen IBAN und der TAN-Generierung lange dauert und eine hohe Fehleranfälligkeit bietet. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Generierung der TAN an sich. Dafür gibt es unterschiedliche Lösungen, komfortabel ist beispielsweise das SMS-TAN-Verfahren, dafür fallen allerdings Kosten für den Nutzer an. Ein allgemeiner Kritikpunkt am derzeitigen Zahlungssystem ist außerdem die Zeitspanne, die eine Transaktion nach dem Absenden benötigt. Bis zur Ausführung verstreicht im Inland und Euroraum derzeit ein Arbeitstag.

Dabei fragt man sich, wofür braucht es eigentlich diese Bearbeitungszeit? Wäre es nicht schön, wenn man in Echtzeit und mit einem weitaus simpleren System zahlen könnte?

Das, was eigentlich gewünscht ist, sind Instant und Mobile Payment. Mit den bisher gängigen Banking-Apps haben sie kaum etwas gemein. Mobile Payment meint das direkte und einfache Bezahlen mit dem Smartphone und Instant Payment die Bezahlung in Echtzeit, unabhängig von den Bankarbeitszeiten.

Mobile Payment ist anderswo bereits gängige Praxis

Utopisch ist diese Idee keinesfalls. Unsere Nachbarn machen uns bereits vor, wie gut so ein System funktionieren kann. In Skandinavien und Großbritannien gehört Mobile Payment bereits zum Alltag. Pionier auf diesem Gebiet war die dänische Danske Bank. Bereits im Mai 2013 hat sie ihre Bezahllösung „MobilePay“ auf den Markt gebracht. Die Reaktionen sprachen für sich, bereits am ersten Tag wurde die App 25.000 Mal heruntergeladen. Inzwischen zählt sie mehr als 3,3 Mio. regelmäßige User (was mehr als der Hälfte der dänischen Bevölkerung entspricht) und ist auf 90% der dänischen Smartphones zu finden. Das Prinzip ist simpel, nach einer Registrierung inklusive Hinterlegung der eigenen Bankdaten kann direkt bezahlt werden. In Echtzeit. Ohne TAN-Verfahren. Aber PIN-geschützt.

Anstatt langer IBANs nutzt das Verfahren die Handynummer der anderen User, die lediglich aus den bestehenden Kontakten ausgewählt oder neu eingegeben werden muss. Die Bank wirbt damit, dass mit ihrer App „Geld versenden genauso einfach ist wie Textnachrichten schreiben“. Insbesondere zeigen sich die Vorteile dieses Verfahrens beim Versenden von Geld an Freunde oder an Online Shops, bei denen öfter eingekauft wird. Darüber hinaus ist eine Bezahlfunktion in der App integriert, mit der man auch beim ganz normalen Einkauf zahlen kann, vorausgesetzt es handelt sich um einen Partnershop. Per Bluetooth oder mithilfe des QR-Code-Scanners wird eine Verbindung zum Bezahlterminal hergestellt und nach einer kurzen Bestätigung bezahlt.

Schade: MobilePay ist zwar eine wirklich tolle App, leider funktioniert sie aber nur mit der dänischen Krone und ist damit keine geeignete Lösung für uns.

Und in Deutschland traut sich keiner?

Doch! Seit kurzem bietet auch eine deutsche Bank ähnliche Dienste an. Nach dem dänischen Vorbild geht der Verbund der Sparkassen mit einer eigenen Lösung voran. Im November letzten Jahres kam ein Update für die Sparkassen und Sparkassen+ App auf den Markt. Sie enthält neben kleinen Verbesserungen auch die neue Funktion „Kwitt“. Diese ermöglicht es, Kontakten über die Handynummer oder Email des Empfängers Geld zu senden. Das funktioniert bei Beträgen bis zu 30€ sogar ohne TAN-Verfahren. Dafür muss lediglich der Versender registriert sein. In den ersten beiden Monaten fand der Service bereits Anklang, 266.000 User haben sich in diesem Zeitraum zu dem Dienst angemeldet.

Seit dieser Woche wurde eine zusätzliche Promotion gestartet. Ein in den Facebook Messenger integrierter Bot „der Bote“ hilft ab jetzt dabei, das Geld videogestützt einzutreiben. Das Video kann durch einen kurzen Chat mit dem Bot personalisiert werden. Dabei kann neben der Variante Schulden einzutreiben auch zum Geld sammeln oder zum sich melden aufgefordert werden. Das Endergebnis ist ein recht lustig gestaltetes Video, das geteilt werden kann und eine klare Botschaft hat: Hol dir Kwitt!

Die Promotion ist auf jeden Fall einfallsreich und verschafft dem Dienst die nötige Aufmerksamkeit, damit er sinnvoll genutzt werden kann. Aber auch so ist Kwitt ein toller Dienst, der für das Versenden von Geld zwischen Privatpersonen gut geeignet ist und den Vorgang tatsächlich deutlich einfacher macht. Zudem können Zahlungen auch an nicht registrierte Nutzer gesendet werden, Zahlungsaufforderungen hingegen nicht. Da bei Zahlungen über 30€ wieder eine TAN verlangt wird, vereinfacht es die Nutzung im gewerblichen Bereich dagegen nicht maßgeblich. Und auch in Geschäften kann man mit der App bislang leider nicht bezahlen.

Ob sich Kwitt durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Eine Chance hat das System auf jeden Fall. Immerhin besitzt gut jeder zweite Deutsche ein Sparkassen-Girokonto und die Nutzerzahl steigt stetig. Ebenfalls gut gelöst ist die Integration in die bestehenden Sparkassen-Apps für das Mobile Banking. Sie sind auf vielen Geräten bereits installiert und bieten nun verschiedene Zahlungsmöglichkeiten gebündelt an.

Das ist nicht der einzige Ansatz

Auch für das mobile Bezahlen in Geschäften gibt es eine erste Lösung. Seit einem halben Jahr können mithilfe der Payback-App nicht mehr nur Punkte gesammelt, sondern im selben Schritt auch mobil bezahlt werden. Nach der Einrichtung des Lastschriftmandats ist Payback Pay schnell und einfach verfügbar, vorausgesetzt man nimmt bereits bei Payback teil. Zahlen kann man damit bereits bei vielen Payback-Partnern, indem man den QR-Code der App unter den an der Kasse angebrachten Scanner hält. Unser Fazit: Einfach, allerdings nur bei den Payback-Partnern verfügbar und bisher keine sofortige Zahlung. Das Potential dafür ist aber auf jeden Fall vorhanden.

Der Anfang ist gemacht

Die neue Bezahlfunktion der Sparkassen und Payback Pay umfassen zwar jeweils nur einen Teil der Möglichkeiten, die wir uns vom mobilen Bezahlen wünschen. Trotzdem sind sie ein Schritt auf dem Weg hin zum flächendeckenden Mobile Payment. Es wird interessant sein, wie beide bei den deutschen Nutzern ankommen.

Weitergehen werden Apple und Android mit ihren Bezahlfunktionen Apple Pay bzw. Android Pay, wenn sie ihre Dienste auch bei uns einführen werden. In den USA sind sie bereits seit 2014 bzw. 2015 verfügbar sind und werden derzeit auf immer mehr Länder ausgeweitet. Sie bieten das, was wir uns unter „echtem“ Mobile Payment vorstellen. Insbesondere ist eine einfache Bezahlung in vielen Geschäften kontaktlos mit dem Smartphone möglich. Die Bezahlfunktion ist hierbei direkt in das Betriebssystem des Smartphones integriert und die Verbindung zum Bezahlterminal wird per NFC hergestellt. Bezahlt werden kann mit den hinterlegten Bankkarten von kooperierenden Instituten. Wann diese Dienste allerdings bei uns verfügbar sind, ist bisher noch unklar.

Der gesamte Bereich der FinTech, also der mit Technik kombinierten und so veränderten Finanzdienstleistungen, entwickelt sich sehr dynamisch. Inzwischen kristallisieren sich aber die Erfolgsfaktoren immer mehr heraus. Mehr zu den aktuellen weltweiten Entwicklungen auf diesem Gebiet lässt sich in diesem Artikel von McKinsey nachlesen.

Auch in einem anderen Bereich sind die Weichen bereits gestellt. Auf dem Gebiet des „Instant Payments“ hat die EU schon im November 2015 einen Beschluss gefällt, der die Echtzeitzahlung im Euro-Raum vorsieht. Wirksam wird er noch im November dieses Jahres. Geld kann dann innerhalb des gesamten Euroraums binnen Sekunden versandt werden, egal zu welchen Tages- und Nachtzeit, so ist zumindest der Plan.

Wohin die Reise geht

In welche Richtung sich Mobile Payment in Deutschland bewegen wird und welche Anbieter sich letztlich durchsetzen werden, ist noch nicht abzusehen. Der deutsche Markt der Zahlungsarten gilt bisher als recht konservativ. Wir sind auf alle Fälle gespannt, wie die neuen Lösungen hier ankommen werden.

Wie steht Ihr den Entwicklungen gegenüber, gibt es Anbieter, die Euch lieber wären als andere? Seht Ihr in Eurem Unternehmen Möglichkeiten für neue Payment-Verfahren und würdet Ihr sie gerne anbieten? Was sind Eurer Meinung nach die Chancen und Risiken davon? Teilt gerne Eure Meinungen und Eindrücke, wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Showing 2 comments
  • Martin Steffens
    Antworten

    Hallo fluidmobile Team,

    leider ist Deutschland so ziemlich wieder weit hinten an als vorne mit dabei. Auch wenn Gefahren nicht ignoriert werden sollten. Denn eine ganz bargeldlose Zukunft wünsche ich mir aus verschiedenen Gründen nicht.

    Ich hoffe sehr dass Apple Pay bald auch in Deutschland kommt… als sichere und komfortable Zahlungsart nutzbar ist.

    Liebe Grüße

    Martin Steffens…

    P.S. Grüße an Thomas Wolters…

  • Kira Tschierschke
    Antworten

    Hallo Martin,

    ja, mal sehen, wann Apple Pay nach Deutschland kommt. Grundsätzlich gilt beim bargeldlosen Bezahlen wie bei allen Digitalisierungsprozessen, dass die Risiken betrachtet, abgewogen und dann dafür Lösungen gefunden werden müssen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das Thema bei uns weiterentwickelt. Und ganz persönlich teile ich deine Meinung wegen der völligen Bargeldlosigkeit.

    Liebe Grüße
    Kira

    PS: Grüße zurück

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