Webdesign-Trends 2012: Jan Semler im Interview mit Webmaking

Für die aktuelle Ausgabe des Webmaking Magazins gab ich ein Interview zum Thema „Webdesign-Trends 2012“. Das Interview findet ihr in diesem Beitrag, im WebMaking-Artikel gibt es nur Zitate hieraus. Hier findet ihr eine PDF-Version des Artikels „Webdesign-Trends 2012“ aus der Webmaking.

 

Was werden Ihrer Meinung nach die Trends im Webdesign 2012?

In Deutschland wird HTML5 & CSS3 zunehmend an Bedeutung gewinnen, wie es in den USA schon seit längerem der Fall ist. Mittels dieser Technologien lassen sich komplexere Inhalte und Designs umzusetzen, zu dem kann man so auch dynamische Effekte mit einbringen. Flash hat seinen Zenit schon lange überschritten und hat keine Relevanz mehr in der Entwicklung von Webseiten. Ganz konkret werden wir sicherlich den Bewegungsparallaxe-Effekt in Slidern und anderen Elementen sehen. Bewegungsparallaxe ist ein Effekt den die meisten aus älteren Videospielen kennen, dabei wird der Hintergrund langsamer bewegt wie der Vordergrund, was zu einem räumlicheren Wahrnehmung führt. Sehr schöne Beispiele findet man unter Nikebetterworld oder bei Apple.

Im Designbereich ganz Vorne: Webfonts. War man bisher auf die Systemschriften beschränkt, so werden wir 2012 einen wesentlich vielfältigeren Einsatz von Schriftarten sehen. War aber auch schon als Trend für 2011, aber wir Deutschen brauchen da etwas länger. Die Hintergrundtexturen werden zurückkommen aber sehr dezent unter Einsatz von CSS3 lassen sich hier tolle Effekte erzeugen. Zudem werden CSS-Layouts komplexer und wir werden eine stärkere Popularität von Tools wie SASS  bzw. Compass erleben.

Welche Trendprognosen sind für Sie unbedeutend/überzogen?

Responsive Webdesign bzw. Adaptives Webdesign ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Es ist eine spannende Technologie um Internetseiten für verschiedene Endgeräte umzusetzen. Besonders für kleine bis mittelgroße Projekte kann es eine sehr schöne Alternative zu speziellen mobilen Webseiten sein. Teilweise muss man aber zu Kompromissen bereit sein, die nicht notwendig wären, wenn man gesonderte Layouts für die unterschiedlichen Klassen der Endgeräte erstellen würde, bspw. macht ein Bild auf dem Desktop vielleicht Sinn aber auf dem kleinen Bildschirm des Mobiltelefons ist es einfach ein nichtssagender Farbklecks. Auch die Herangehensweise an ein Adaptives Webdesign erfordert unteranderem ein Umdenken seitens des Designers. Der Weg ist ein etwas anderer und der Designer wird vor neuen Herausforderungen gestellt und muss diese erst noch erlernen.

Müssen Webseiten mittlerweile so designt werden, dass die mobile Nutzung – und nicht die „klassische“ am Computer – im Vordergrund steht?

Es kommt drauf an, was der Hauptzweck der Seite ist. Was sind die Use-Cases für den Nutzer? Wer ist die Zielgruppe? Wie affin ist die Zielgruppe gegenüber den neuen Endgeräten? Das kann von Webseite zu Webseite ganz unterschiedlich sein. Prinzipiell sind klassische Webseiten und mobile Webseiten nicht exklusiv sondern ergänzend zu sehen. Dabei ist es auch so, dass der Nutzer auch unterschiedliche Inhalte sucht je nachdem von welchem Endgerät aus er die Seite aufruft. So ist ein Desktop-Nutzer vielleicht auf der Suche nach tiefer gehenden Informationen über ein Unternehmen und dessen Angebot, während ein Smartphone-Nutzer einfach eine Wegbeschreibung oder Telefonnummer sucht. Also ist hier auch der Nutzungskontext zu berücksichtigen und das Layout und die Inhalte darauf abzustimmen.

Stichwort „Touchable Sites for Touchscreen“: Welchen Herausforderungen stehen Sie sich hier gegenüber? Inwiefern beeinflussen Touchable Sites das „klassische“ WWW?

Im Wesentlichen ergeben sich hier nur wenige Änderungen hinsichtlich der Best-Practice im klassischen Web. Gewisse Bedienelemente werden etwas deutlicher erkennbar werden müssen, weil bspw. das Maus-Hover entfällt. Andere Elemente werden etwas größer werden müssen, um auch mit dem Finger einfach bedient werden zu können. Es wird einen bestimmten Designgrad geben der für beides funktioniert für Maus als auch für Touch.

Interessanter ist die Entwicklung auf den beiden Betriebssystemen Microsoft Windows 8 und Apple OS X Lion. Beide Unternehmen verfolgen unterschiedliche Ansätze um die Fingersteuerung zu integrieren. So wie es scheint, geht Microsoft davon aus, dass der Monitor zum Touchscreen wird. Apple hingegen setzt auf die Weiterentwicklung des Trackpads und die Integration einer Gestensteuerung in die Maus. Somit erlernt der Benutzer neue Muster und Eingabemöglichkeiten die später wiederum in die Webentwicklung einfließen können.

Was ist Ihre Meinung zu folgender These? „Dank Apps werden Webseiten bald wieder nur noch als Informationsquelle genutzt – um den Part der Benutzer-Interaktion kümmert sich die App dann selbst.“

Zunächst kommt es darauf an was ich mit einer Website oder mit einer Applikation bezwecken will. So war die Website in den ersten Jahren des Internets einfach nur eine schöne Visitenkarte. Nach und nach hat man verstanden dass man auch mit einer Website wesentlich besser den Kunden informieren und überzeugen kann. Leider werden heute weiterhin, in Deutschland, Webseiten als Webvisitenkarten betrachtet in den USA ist man schon wesentlich weiter, man hat die Website als messbares Instrument verstanden. Man Webseiten als zentrales Element in der Unternehmenskommunikation. Hierüber informiert sich der Kunde über Produkte oder Dienstleistungen. Marken brauchen Aufmerksamkeit eine Website kann hier das wichtigste Werkzeug sein.

Smartphone Apps hingegen kann mehr als eine Webseite, Sensorik, ortsbezogene Daten usw… Auch hier gilt was bezwecke ich mit einer Applikation, will ich einfach nur auf dem iPhone vertreten sein weil es alle anderen auch sind? Dazu reicht eine mobile Website vollkommen aus. Will ich aber meinen Kunden einen echten Mehrwert bieten? Wenn die Antwort Ja lautet ist die nächste Frage: Benötige ich die Hardwarefunktionen sowie einige elementare APIs eines Smartphones? Sollte auch dies der Fall sein, entwickeln Sie eine native App. Denn diese lassen sich nur mit nativen Applikationen im vollen Umfang ausnutzen.

Für Local Businesses hat eine native App keinen Mehrwert, hier reicht eine mobile Website vollkommen aus. Großere Unternehmen werden sich genau überlegen müssen was man mit einer App bezwecken will, mit einer App kann ich vom Büro aus, Daheim das Licht in der Küche An- und Ausschalten wenn ich will, die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Ich sehe die Apps eher als weitere Produktpalette für Unternehmen und nicht als ein reines Kommunikationselement oder gar als verlängerter Arm für eine Website. Es wird sicherlich weiterhin Apps zu bestimmten Kampangen geben, mit netten Animationen und Informationen aber die Unternehmen verstehen es allmählich als Produkt für den Kunden oder als tolle Ergänzung zu einem bereits erworbenen Produkt. Letztendlich geht es darum den Kunden glücklich zu machen und ihn stärker an die Marke zu binden. Die Apps werden nicht ein interaktives Element der Website sein sondern ein interaktives Element für die Produkte und Dienstleistungen welches ein Unternehmen anbietet.

Das Interview führte Marius von der Forst.

Hier noch mal der Link zu dem Artikel Webdesign-Trends 2012 in der Webmaking.

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