UX, UI, Usability – worin liegt der Unterschied?

Wenn man User Experience, abgekürzt UX, bei Google eingibt, erhält man in weniger als einer Sekunde über 200 Millionen Suchergebnisse. Aber wie so oft bei Themen, über die viel gesprochen wird, herrscht auch bei UX große Unklarheit darüber, was eigentlich genau dahinter steckt und warum sie so wichtig ist. Was ist UX eigentlich genau? Was macht sie aus? Und wie wird sie geschaffen? Diesen und weiteren Fragen wollen wir in dieser Reihe intensiver nachgehen. Heute widmen wir uns der genauen Definition von UX und den ihr verwandten Begriffen.

UX, UE, UI, UID, Joy of Use … what the U?!

Begriffe, die im Zusammenhang mit User Experience (UX und manchmal auch UE) immer wieder fallen, sind Usability, User Interface Design oder Joy of Use. Oft werden alle diese Begriffe in einen Topf geworfen, simultan verwendet oder sogar als Synonym eingesetzt. Höchste Zeit also, diesem Begriffswirrwarr ein Ende zu setzen.

Was ist Usability?

Der Begriff Usability lässt sich als Gebrauchstauglichkeit übersetzen und bezieht sich auf die Benutzbarkeit digitaler Produkte, wie z.B. Webseiten oder Apps. Laut DIN ISO 9241-11 Norm ist Usability das Ausmaß, in dem ein System durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. Usability meint somit den Prozess während der Nutzung eines Produkts und beantwortet stets folgende Fragen: Kann der Nutzer sein Ziel erreichen? Wie effektiv, effizient und zufriedenstellend schafft er das? Dabei geht es also ausschließlich um die Umsetzbarkeit oder Machbarkeit bestimmter Aufgaben, die man mit dem Produkt bewältigen soll.

Was ist mit User Interface Design gemeint?

Das User Interface Design, kurz UI-Design, manchmal auch UID, meint die Gestaltung der Benutzeroberfläche eines Systems, einer Webseite oder einer App. Also die Gestaltung dessen, was der Nutzer sieht. Das Ziel des UI-Designs ist es, die Interaktion des Nutzers mit dem Produkt so einfach und effizient wie möglich zu gestalten. Das User Interface ist die Schnittstelle zwischen dem Nutzer und dem Produkt. Hier findet alle Interaktion des Nutzers mit dem Produkt statt und hier entscheidet sich, ob der Nutzer die App bedienen kann. Ob er beispielsweise Buttons als solche erkennt, ob er Schrift lesen oder ob er Formulare einfach ausfüllen kann.

Was bedeutet UX?

Die Bezeichnung User Experience lässt sich als Nutzererlebnis oder Nutzererfahrung übersetzen. Laut DIN ISO Norm 9241-210 umfasst UX dabei alle Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person auf ein bestimmtes Produkt, System oder eine Dienstleistung. Damit verbunden sind somit alle Emotionen, Vorstellungen und physiologischen und psychologischen Reaktionen des Nutzers, die sich vor, während oder nach der Nutzung ergeben. Welches Nutzererlebnis eine Person dabei im Endeffekt erfährt, hängt subjektiv von ihrer Erwartungshaltung ab und ist dadurch sehr individuell. Das gleiche Produkt kann einen Nutzer begeistern, den nächsten aber enttäuschen – je nachdem, mit welchen Erwartungen ein Nutzer an das Produkt herangeht.

Und was ist nun die Joy of Use?

Für die UX spielen somit die individuellen Vorstellungen und Erwartungen der Nutzer eine sehr große Rolle. Wurden diese erfüllt oder sogar übertroffen, trägt dies zu einer guten UX bei. Beeinflusst werden die Emotionen des Nutzers durch das allgemeine Erscheinungsbild („Look“) und das Handling („Feel“) eines Produkts. Wie sieht das Produkt aus? Wie fühlt es sich an? Diese Fragen stellt sich jeder Nutzer unbewusst. Binnen weniger Sekunden entscheidet der Nutzer darüber, ob ihm das Produkt gefällt und ob ihm die Benutzung eine Freude bereitet.

Wenn die Nutzung eines Produktes dem Nutzer Freude bereitet und er begeistert ist, spricht man von Joy of Use. Diese Freude ist das Ziel, dass wir mit großartiger User Experience erreichen wollen. Sie ist der Maßstab für den Erfolg eines (digitalen) Produktes. Wenn wir von großartiger User Experience sprechen, meinen wir daher immer diese Joy of Use.

Das Begriffswirrwarr rund um User Experience

Wie bereits zu Beginn erwähnt, werden diese Begriffe leider häufig simultan verwendet und nicht selten gibt es dabei Unklarheiten bezüglich der Abgrenzung der Begriffe. Ein recht prominentes Beispiel dafür zeigt das folgende Bild, das in der einen oder anderen Form immer wieder im Internet kursiert.

Der Unterschied zwischen User Experience und Usability

Der vorgegebene mit einem rechten Winkel geplante Weg stellt das mit Bedacht gewählte Design dar. Der frei entstandene Trampelpfad wird im Allgemeinen auf diesen Bildern mit UX übersetzt. Und genau hier merkt man die Begriffsunklarheiten: Bei dem Pfad geht es schlichtweg um die Zielerreichung, also die Benutzbarkeit des Designs. Das Bild zeigt, dass Design oft nur schön, aber nicht wirklich praktisch ist. Eine viel praktischere und effizientere Möglichkeit das Ziel zu erreichen, bietet also der Trampelpfad. Genau diese Tauglichkeit ist aber nicht die User Experience (die ist auf einem Trampelpfad mitunter nicht gut), sondern die Usability. UX berücksichtig zudem auch die Effekte vor und nach der Nutzung (in unserem Beispiel wären das die vielleicht schmutzigen Schuhe nach der Trampelpfadüberquerung) und damit weit mehr Faktoren, als nur die reine Usability eines Produkts. User Experience setzt sich aus den Faktoren Design und Usability zusammen und bezieht sich individuell auf den Nutzer. Das Ziel der User Experience wäre es also, einen asphaltierten Weg zu schaffen, der für den Fußgänger sowohl praktisch als auch schön ist.

In dem Schaubild müsste User Experience somit über der Person schweben, die den Weg beschreitet.

User Experience – eine Erfindung der digitalen Welt?

Das Beispiel mit dem Trampelpfad zeigt, dass User Experience keine Erfindung der digitalen oder der mobilen Welt ist, sondern uns in vielen Bereichen unseres Lebens begegnet. Gerade in der digitalen Welt ist sie aber von enormer Wichtigkeit und entscheidet über den Erfolg einer Webseite oder einer App. Wie groß der Einfluss von UX tatsächlich auf die Qualität und damit den Erfolg einer App ist, behandeln wir im nächsten Beitrag unserer UX-Reihe.

Um eines aber schon mal vorwegzunehmen: Jede App schafft zwangsläufig ein gewisses Nutzererlebnis, also eine User Experience. Doch nur die Apps, die den Nutzer in seinen Erwartungen übertreffen, also eine großartige User Experience schaffen – die beschriebene Joy of Use erreichen, sind erfolgreiche Apps.

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