Welche Bedeutung haben Personas in der Entwicklung?

Personas sind ein wichtiges Thema im Marketing. Aber nicht nur dort spielen die kleinen Persönlichkeiten eine große Rolle. Unserer Meinung nach bringen Personas aber auch vor allem in der Software-Entwicklung einen enormem Mehrwert. Warum? Das erläutern wir im folgenden Beitrag.

Was sind Personas und wie entwickelt man sie?

Zunächst einmal sollten wir kurz die Frage klären, was Personas überhaupt sind. Personas sind fiktive Personen, die Merkmale einer Zielgruppe charakterisieren. Nutzer eines Produkts werden meist in primäre und sekundäre Zielgruppen eingeteilt. Wo Zielgruppen aber lediglich schwammige Angaben wie eine Altersgruppe oder das Geschlecht der Nutzer eines Produkts aufzeigen, geben Personas ein viel genaueres Bild ab und schaffen vor allem eine gemeinsame Vorstellung aller Projektbeteiligten.

Bei der Entwicklung von Personas lautet daher die Divise: Je mehr du über deine Nutzer weißt, desto schneller und besser kennst du ihre Bedürfnisse, ihre Wünsche und ihre Erwartungshaltung. Aus diesem Grund geht es bei Personas vor allem darum, seine Nutzer genau zu analysieren und somit kennenzulernen. Die fiktiven Personen werden dabei nicht nur aus irgendwelchen Annahmen heraus entwickelt, sondern auch auf Grundlage von Umfragen und Interviews, also realen Informationen über die Zielgruppe. Wir gehen dabei gerne so vor, dass wir in diesen Interviews, die wir mit den Kunden unserer Kunden – also letztlich den Nutzern unserer Apps – führen, vorher getroffene Annahmen überprüfen, um aus diesen Erkenntnissen Rückschlüsse auf die speziellen Anforderungen für die Software zu ziehen.

Um dann eine Persona so präzise wie möglich zu entwickeln, sollte sie einen realistischen Namen, ein Foto, demographische Informationen, Angaben zum ihrem Beruf und ihrem Privatleben, sowie auf das Projekt bezogene Ziele, Wünsche, Probleme, Bedürfnisse und ein Zitat, das das Motto der Persona vorgibt, beinhalten. Wichtig dabei ist es, auf der einen Seite zu versuchen, spezielle Bedürfnisse hervorzuheben, dabei jedoch auf der anderen Seite darauf zu achten, dass diese Persona weiterhin repräsentativ für die Zielgruppe bleibt.

Personas im Entwicklungsprozess

Sind die Personas entwickelt, sollten im folgenden Schritt alle Personas möglichst für jeden Mitarbeiter im Projektteam übersichtlich aufbereitet werden. Nur wenn alle Projektbeteiligten eine genaue Vorstellung der Personas haben, kann eine gute Weiterarbeit gewährleistet werden. Allen voran ist es ja nun Aufgabe der Entwickler, die App so nutzergerecht wie möglich zu entwickeln. Schließlich will niemand am Ende eine App, die ihren Nutzen völlig verfehlt hat. Doch das ist häufig einfacher gesagt, als getan.

Wie lassen sich also komplexe Codes und Strings mit emotional aufbereiteten Personas verbinden? Und wie kann man diese Personas in den Entwicklungsprozess einbinden?

Um jeden Programmierer über die fiktiven Personen zu informieren, ist es unserer Meinung nach am sinnvollsten, die Personas in der großen Runde vorzustellen und im Anschluss den Personakatalog für jeden Entwickler auszudrucken. So hat jeder alle Informationen gebündelt und jederzeit zur Hand. Durch die genauen Angaben zur Persona und ihr Kontextszenario lässt sich sehr schnell und leicht einschätzen, wie der Nutzer “tickt”, welche Vorlieben und Wünsche er hat, oder mit was er überhaupt nicht klar kommt.

Ein Praxisbeispiel

In einem unserer aktuellen Projekte wurden vier Personas der primären und 6 der sekundären Zielgruppe erstellt. Jeder Entwickler, der in das Projekt involviert ist, hat Zugang zum Personakatalog und nennt seither die verschiedenen Nutzergruppen stellvertretend beim Namen der jeweiligen Persona. Das erleichtert die Arbeit ungemein, da jeder sofort Bescheid weiß, von wem die Rede ist und was durch diese Persona für Anforderungen entstehen. Steht nun eine Entscheidung über die Umsetzung einer Funktion an, können sich die Entwickler in die Lage ihrer Nutzer hineinversetzen. „Was würde Pavel an dieser Stelle wollen? Ist die Funktion verständlich und sinnvoll für ihn?“ oder „Wie würde Tina diese Funktion erleben? Wäre sie damit überfordert?“ sind Fragen, die sich die Progammierer dabei stellen sollten. Durch den Personakatalog wissen sie, dass Pavel zwar technisch affin ist, aber nichts für Schnickschnack und unnötige Dinge übrig hat. Tina benutzt zwar ein Smartphone und viele andere technische Dinge in ihrem Leben, jedoch meist nur zur Kommunikation und sie möchte keineswegs zu tief in die Matiere einsteigen. Solange es funktioniert, ist sie glücklich. Wenn nicht, ist sie frustriert und gibt schnell auf.

Persona Pavel Marek

Gar nicht so selten kommt es dann in so einer Situation vor, dass eine ursprünglich für sinnvoll – oder sogar für absolut notwendig – gehaltene Funktion durch den Persona-Check fällt. Die Entwickler, oder auch der Kunde selbst, hätten es vielleicht für ein gutes Feature gehalten, doch sie sind in der Regel nun mal nicht selbst die Zielgruppe des Produkts. Gut also, dass man mit Personas schon während der Entwicklung solche Dinge vermeiden kann, ehe das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Ist die Arbeit mit Personas also auch in der Software-Entwicklung sinnvoll?

Unsere Meinung: Ja, auf jeden Fall! Personas befreien Entwickler an der richtigen Stelle von endlosen Diskussionen über Features und Funktionen und helfen ihnen, die Bedürfnisse von Nutzern zu erkennen und sie daraufhin in all ihren Wünschen zufrieden zu stellen. Daher können und wollen wir Unternehmen, die in der mobilen Entwicklung tätig sind, nur dazu raten, früh genug mit der Erstellung von Personas anzufangen und diese aktiv in die Entwicklung miteinzubinden. Nur so – und durch eine Integration kontinuierlicher Tests – kann man sicherstellen, dass das Produkt letztlich das erfüllt, was es soll: einen Mehrwert für Nutzer und Unternehmen bieten.

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