Wie sicher ist mobiles Bezahlen per App wirklich?

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Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie um Geld zu überweisen mit dem fertig ausgefüllten Überweisungsschein zur Bank gehen und dort abgeben, ist verschwindend gering. Die meisten von Ihnen werden Ihre Bankangelegenheiten online erledigen und ein Teil wird gar alles von dem Smartphone aus regeln. Nun kommt der neue Trend aus den USA rüber geschwappt, nämlich das Bezahlen mit dem Smartphone oder der Smartwatch. Ob sich dieser Trend des mobilen Bezahlens auch bei uns durchsetzen wird oder ob wir lieber dabei bleiben einfach unsere Kreditkarte zu zücken, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Mobiles Bezahlen mit der Smartphone-App

Man steht an der Kasse, alle Einkäufe sind bereits im Wagen verstaut und ein Betrag von 67,89€ erscheint auf dem Bildschirm. Nur noch schnell bezahlen, dann kann man den Einkaufswahnsinn hinter sich lassen. Jetzt fällt Ihnen auf, dass Sie Ihren Geldbeutel zu Hause liegen gelassen haben. Und was nun? Gar kein Problem, denn Sie können statt Ihrer Karte ganz einfach Ihre Smartwatch zum Scannen hinhalten und schon ist der Betrag gezahlt. Hört sich eigentlich ganz simpel an, aber wie funktioniert die Übertragung eigentlich? Und ist das Ganze überhaupt sicher, oder könnte mir plötzlich unbemerkt Geld über meine Smartwatch abgebucht werden?

Near Field Communication

Die meisten von Ihnen besitzen bereits eine Bankkarte mit einem integrierten NFC-Chip, so müssen Sie die Karte lediglich bis zu 4 Zentimeter vom Lesegerät entfernt hinhalten und schon kann der jeweilige Betrag abgebucht werden. Durch Nahfeldkommunikation ist kontaktloses Bezahlen möglich, wodurch die Daten übertragen werden können. Diese Funktechnik ermöglicht es, zwei Geräten mit kurzer Distanz zueinander, miteinander zu kommunizieren, wobei jeder als Sender als auch Empfänger fungieren kann. Dabei können Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 424 Kilobits pro Sekunde übertragen werden.

Mittlerweile ist der NFC-Chip in allen neuen Bankkarten implementiert. Auch in Smartphones werden NFC-Chips  zunehmend integriert, wodurch das “digitale Bargeld” immer häufiger verwendet wird und mehr an Bedeutung gewinnt. Es beschleunigt den Bezahlvorgang unheimlich und die Kunden müssen Ihre Smartphones dazu nicht einmal aus der Hand geben.

Verlust des Smartphones

Eines der größten Sorgen bei der ganzen Sache: Was passiert wenn das Smartphone geklaut wird oder verloren geht? Abhängig von dem Anbieter wird die PIN-Eingabe bei einer Transaktion, welcher einen bestimmten Betrag (meistens 25€) überschreitet abgefragt oder es können nur eine bestimmte Anzahl an Transaktionen hintereinander ohne PIN getätigt werden. Selbst wenn das Smartphone gestohlen wird, können fremde Personen nicht wahllos mit dem Smartphone einkaufen gehen. Zudem muss der Bildschirm des Smartphones zum Bezahlen entsperrt sein. Dazu muss der Kreditkarteninhaber sich häufig authentifizieren bspw. Mit Hilfe von Gesichtserkennung oder einem Fingerabdruckscan. Letztendlich handelt es sich um denselben Verlust, als hätte man gerade sein Portemonnaie verloren. Lässt man die Karte beim Bemerken sofort sperren oder meldet das Smartphone als gestohlen, so kann man Schlimmeres umgehen.

Umgang mit sensiblen Daten beim mobilen Bezahlen

Mit digitalen Produkten geht meist die Angst des Verlusts eigener personenbezogener Daten einher. Aufgrund von Skandalen wie Cambridge Analytica sind Konsumenten skeptisch und möchten sichergehen, dass solche sensiblen Daten nicht in die falschen Hände gelangen. Deshalb ist es für Anbieter wichtig, explizit zu erläutern, welche Daten erfasst, gespeichert und gegebenenfalls an Dritte weitergegeben werden.

Apps für mobiles Bezahlen im Sicherheitstest

Laut dem NDR wurden mehrere Bezahl Apps, darunter auch Apple und Google Pay, bei Stiftung Warentest auf ihre Sicherheit bezüglich personenbezogener Daten geprüft. Das Ergebnis: Das Bezahlen mit einer App sei sogar oftmals sicherer als das Zahlen mit der Kreditkarte. Grund dafür ist, dass bei der Transaktion nicht die hinterlegten Daten, wie Name und Kreditkartennummer, sondern eine stellvertretende individuelle Nummer übertragen wird, welche Unbefugten keinen Mehrwert bietet. Diese persönliche Nummer wird von VISA selbst als Token bezeichnet. Ein Token wird einem speziellen Endgerät zugeordnet, weshalb sofort nach der Transaktion geprüft werden kann, ob Token und das verwendete Gerät übereinstimmen. Die Token-Technologie sorgt dafür, dass Dritte keinen Zugang zu personenbezogenen Daten erhalten können, wodurch das Bezahlen per App grundsätzlich als sicher beurteilt wird.

Betrachtet man hingegen die typischen Einkaufs Apps sieht das Ganze etwas anders aus. Die Apps führender Läden wie Edeka, Rossmann oder auch Netto erfassen personenbezogene Daten. Anmeldedaten oder Standortinformationen werden erfasst und zu Marktforschungszwecken verwendet. Auch Bank-Apps greifen auf personenbezogene Daten zu, werden jedoch im Normalfall nicht an Dritte weitergegeben. Dies variiert jedoch zwischen den einzelnen Banken. Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Daten von Ihnen erfasst und verarbeitet werden, bevor Sie die App auf das Smartphone installieren. Sind Sie mit den entsprechenden Vorschriften einverstanden, können Sie mit dem digitalen Bargeld in das nächste Outlet starten.

Mobiles Bezahlen

Ist mobiles Bezahlen die Zukunft?

Auch wenn der Trend in Deutschland noch nicht ganz angekommen ist, gibt es nun vermehrt die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. Derzeit noch problematisch ist es jedoch in Bäckereien, Restaurants und Cafés. Ohne die Lesegeräte müssen die altmodischen Geldbeutel wohl doch herhalten. Trotz allem ist es ein Trend, der vermutlich künftig vor allem von den Digital Natives stark nachgefragt wird, denn dass sie ihr Smartphone außer Sicht lassen, ist eher unwahrscheinlich. Die Wahrscheinlichkeit das Smartphone zu vergessen, ist somit um einiges geringer als den Geldbeutel.

Was sind eure Gedanken zum mobilen Bezahlen? Wird es bereits 2020 ein Trend in Deutschland oder hat es eurer Meinung nach gar kein Trend-Potential? Natürlich gibt es neben dem mobilen Bezahlen noch viele weitere Trends, die dieses Jahr auf uns zukommen werden. Schaut doch  bei unserem Beitrag “Mobile Trends 2020” vorbei, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und kommentiert oder schreibt uns gerne auf unseren Social Media Kanälen.